Für die Karlsteiner bei Bad Reichenhall beginnt der Winter mit dem Klöpfln: Kinder, als Hirten verkleidet, gehen von Haus zu Haus und singen.
Die Autorin, die in dieser Gegend aufgewachsen ist, ist in ihrer Kindheit auch zum Klöpfln gegangen. Äpfel, Orangen und Schokolade hat sie bekommen, wenn sie nicht gerade an Schulkameraden geriet, die nur faule Äpfel in den Sack warfen.
An den Donnerstagen vor Weihnachten stand die Glocke im Haus ihrer Eltern selten still, so viele Hirten zogen von Haus zu Haus. Heute gehen nicht mehr so viele herum, aber es gibt sie noch.
Auch das Böllerschießen ist ein alter Brauch. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird im Reichenhaller Talkessel viermal geschossen. Die Kranzlstoaner Böllerschützen sind traditionell in Karlstein beim Seppenbauern beim Schießen.
Ebenso gehört die Christmette in Karlstein auf dem Pankratz, auf den die Einheimischen mit Fackeln zu Fuß gehen, zu den Höhepunkten. Für Christa Eberlein ist vor Weihnachten besonders viel zu tun.
Denn sie hat für sich und inzwischen viele andere die Schafwolle wiederentdeckt. Sie zeigt das Datschen und Filzen.
Auch der Bildhauer Bruno Karbacher arbeitet kurz vor Weihnachten noch an einer zweihundert Jahre alten Krippenfigur und entwirft seine Neujahrsgrußkarten.
Am Jahresende kocht Heidi Gruber, die Wirtin vom Kugelbachbauer in einem Hochtal oberhalb von Karlstein, ein reichhaltiges Silvester-Menu. Und die Perchten vertreiben in der Nacht zu Heilig Drei König die Wintergeister und laufen mit lautem Schellengeläut durchs Dorf.
Es sind lauter Karlsteiner Jungherren, und es sind „schöne Perchten“. Sie tragen keine schauerlichen Holzmasken, sondern zeigen ihr Gesicht, und sind nicht allzu grob zu denen, die sie erwischen.
Erstausstrahlung: 06.01.2007