23:55: alpha-retro: Amsterdam für Amsterdammer (1978) | ARD Alpha | 6/6 2026 ARD Alpha
23:55 - 00:40
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alpha-retro: Amsterdam für Amsterdammer (1978)

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"Stadtgesichter"

Amsterdam galt in den 1970er-Jahren mit gutem Grund als eine herrlich lässige, liberale, tolerante und lebensfreudige Stadt.

Aber Amsterdam hatte auch das Image, die Puppenstube Europas zu sein, was wohl auch mit den 7.000 denkmalgeschützten Häusern innerhalb der Stadt zu tun hatte.

Was steckte also dahinter, wie war Amsterdam damals wirklich?

Als Erstes fährt der Filmautor Michael Strauven mit der Metro in 12 Minuten raus zum Stadtteil Bijlmermeer, einer neu gebauten Trabantenstadt mit 60000 Einwohnern.

Die Amsterdamer jedoch sagen: „Das ist nicht Amsterdam, das ist nicht unsere Stadt!“ Und mit Recht, denn diese Hochhäuser könnten überall in Europa stehen – überall mit den gleichen Problemen. Zum Beispiel kann man von der Metro aus auf den ersten Blick nicht unterscheiden, ob es sich bei den Gebäuden in Bijlmermeer um Parkhäuser für Autos oder um Wohnhäuser für Menschen handelt.

Allerdings sind die Mieten dort für Amsterdamer Verhältnisse sehr niedrig: 250 Mark im Monat für vier Zimmer mit Küche und Bad.

Zurück in der Innenstadt besucht der Autor eine Veranstaltung mit freiem Eintritt im berühmten Concertgebouw: Für Strauven wirkt dieser Abend mit klassischem Konzert, Chordarbietungen und arabischer Musik mit Bauchtanz usw.

wie die Eröffnung der Saison „Amsterdam für Amsterdamer“.

Dann geht es ins Museum für moderne Kunst, wo gerade amerikanische Avantgarde gezeigt wird. Danach geht es raus auf die kleinen Straßen neben den Grachten: In Amsterdam verteilten sich in früheren Zeiten die vielen, vielen „braunen Cafes“, wie man dort die Kneipen nennt, auf 19 verschiedene Kneipenviertel und ebenso viele unterschiedliche Dialekte laut Strauven.

Aber das war in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts bereits vorbei. Die braunen Cafes aber gab es noch, ungefähr 2000 an der Zahl.

Eigentlich ist die verwinkelte Innenstadt von Amsterdam nur zum Wohnen wirklich gut geeignet, aber auch dort und damals schon begann man, Bürogebäude zu errichten, alte Gebäude umzufunktionieren.

Und dafür ist nicht die Lebensqualität, sondern das Bruttosozialprodukt das entscheidende Argument. Aber in Amsterdam ist das Wohnen in Abbruchhäusern ein gesetzlich möglicher Akt der Selbsthilfe.

Und am Beispiel einer Familie mit zwei Kindern wird gezeigt, was das heißt: Die Abrisskolonne muss wieder abziehen, weil sich die Familie weigert, aus dem Abbruchhaus auszuziehen.

Und dann schreibt diese Familie einen Brief. An wen?

An die niederländische Königin, damit diese über die Verhältnisse in Amsterdam Bescheid weiß und dass sie als Familie nirgends sonst vernünftigen Wohnraum bekämen.

Man lernt, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist ein altes Problem und war und ist nicht nur auf Amsterdam beschränkt. In Amsterdam gab es damals 2000 illegale aber von der Behörde geduldete Wohnboote – mitten in der Stadt und bewohnt von sehr ausgeprägten Individualisten.

Der Schriftsteller und Kolumnist Simon Carmiggelt erklärt das damit, dass der Amsterdamer eigentlich ein Individualist mit anarchistischen Neigungen sei.

Und am Abend gibt es das, worauf die Amsterdamer besonders stolz sind: Kultur.

Auf der Bühne steht ein junger Liedermacher namens Hermann van Veen und singt ein Lied aus seinem Programm „carré“: „All die Menschen, die bereit sind, anderen zu helfen, sind selbst ganz schlimm dran … Sie hocken vor dem Fernseher und erwarten, dass die Show ihnen das Leiden nimmt.“ Aber ganz so passiv ist der Amsterdamer dann doch nicht, denn der Abriss von zwei Dritteln der alten Häuser im Innenstadtbezirk Jordaan scheiterte am Widerstand von dessen Bewohnern. Nach der Renovierung der alten Häuser steigen dort jedoch die Mieten und die alteingesessenen Bewohner müssen gehen, weil sie sich diese Miete nicht mehr leisten können. 1978!

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