23:10: alpha-retro: Wiener Kontraste (1969) | ARD Alpha | 6/6 2026 ARD Alpha
23:10 - 23:55
4 Stunden

alpha-retro: Wiener Kontraste (1969)

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Gezeigt werden in dieser Filmdokumentation aus dem Jahr 1969 ganz unterschiedliche Lebensverhältnisse.

Da gibt es einerseits den Postbeamten mit seiner Frau und dem kleinen Kind und da gibt es andererseits den Unternehmer, der abends bei sich zu Hause regelmäßig seine Freunde empfängt, unter ihnen viele Künstler.

Der Postbeamte wohnt in der Storchengasse in Fünfhaus im 15. Wiener Bezirk. Die Wohnung besteht aus einem Schlafzimmer und einer Küche. Zwei Drittel aller Wohnungen in Wien hatten damals weniger als 60 Quadratmeter, viele davon kaum mehr als 30.

Die meisten hatten kein Fließendwasser und keine Toilette in der Wohnung, sondern nur Bassena und Toilette im Treppenhaus - oder gar nur im Hof.

Der Grund war: In diese Häuser wurde von den Besitzern nichts investiert, da die Mieten per Gesetz seit 50 Jahren fast unverändert also extrem niedrig sind.

Das heißt, die Bewohner bezahlen für solche Wohnungen nur einen geringen Bruchteil ihres Monatseinkommens. Den Angestellten der Wiener Verkehrsbetriebe in aller Herrgottsfrüh auf seinem Weg in die Arbeit mit der Kamera begleitend meint der Filmemacher, das Vorurteil, dass man in Wien faul sei, stimme nicht, auch in Wien müsse man arbeiten, um zu leben.

Aber dass Zeit Geld sei, würde in Wien wohl immer noch niemand unterschreiben. Aber nach wie vor gelte, dass man sich's richten kann.

Die Frauen tun sich jedoch in dieser patriarchalischen Gesellschaft schwerer, "es sich zu richten", sie zahlen einen weit höheren Preis als die Männer, "denn überall, wo eine Gesellschaft sich verspätet und die Wohnverhältnisse vernachlässigt, tragen sie den größeren Teil der Last." Man sieht als Beleg dafür Frauen, die selbst im Winter mangels einer Waschmaschine in einem Verschlag im Innenhof die Wäsche mit der Hand waschen müssen - und das ganz offensichtlich nicht nur an diesem Tag und für die Kamera, sondern so gut wie jeden Tag im Jahr.

Der Unternehmer Manfred Mautner Markhof bekommt das große goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen und die betriebseigene Feuerwehr steht stramm, dem ausgezeichneten Firmen-Patriarchen ihrerseits die Ehre zu erweisen.

Ein Höhepunkt im Film ist sicherlich die Brautsoiree im Hause des Fürsten Schwarzenberg, bei der die Kamera auch den damals noch jungen Karl Schwarzenberg einfängt, den Erbprinzen und nachmaligen Außenminister der Tschechischen Republik. Es folgen Portraits der Maler Ernst Fuchs und Arik Brauer und Ernst Fuchs ist wiederum Gast in einer der Abendgesellschaften bei Manfred Mautner Markhof.

Bei den kleinen Leuten ist es so, dass sie abends wegen der zu kleinen und im Winter zu kalten Wohnungen nicht aushäusig sein wollen, sondern müssen.

Sie sitzen dann nicht im Caféhaus, denn das eher ist für die besser Gestellten reserviert, sondern im Beisl auf ein Achterl Wein oder zwei oder drei oder vier … Man hört dort so wunderbaren Wiener Dialekt, dass einem das Herz aufgeht, und der Autor meint: "Auch wer allein sein will oder muss, fühlt nur hier sich wohl.

Ein fast jeder bestätigt sich - als Person, als Nachbar, als einer, der dazugehört.

Wer nicht mehr käme am Abend, wäre aufgegeben." Aber: "Auch in einer so liberalen Atmosphäre wie dem Weinhaus verstummt nicht, was an Verstocktheit und Ressentiment aus dem Mief des unangemessenen Wohnens kommt." Und dann sieht man den Maler Ernst Fuchs in einer Disco, er feiert die Geburt seiner jüngsten Tochter: fröhlich tanzend zum Song "Those were the days my friend …"

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