at 23:50 on RBB Fernsehen
Paul (Winfried Glatzeder) und Paula (Angelica Domröse) kennen sich schon lange vom Sehen: Paula ist Verkäuferin an der Kasse einer Kaufhalle, Paul ihr Kunde.
Aufgewachsen im gleichen Kiez von Ost-Berlin, gingen sie völlig unterschiedliche Wege. Paul hat Karriere gemacht und führt eine zur Farce gewordene Ehe.
Paula bekam viel zu früh ein Kind, verpasste die Berufsausbildung und lebt nun allein mit zwei Kindern.
Des Alleinseins müde, trägt sie sich mit dem Gedanken, eine "Versorgungsehe" mit dem älteren "Reifen-Saft" (Fred Delmare) einzugehen. Doch vorher will sie noch einmal so richtig "die Sau rauslassen".
In einem Beatschuppen trifft sie Paul, und zum ersten Mal sehen sich beide bewusst, werden von einem leidenschaftlichen Verlangen erfasst. Paula gibt sich diesem Glücksgefühl kompromisslos hin, sieht darin die "große, unwiederholbare Liebe".
Doch Paul scheut die eindeutige Entscheidung, fürchtet sich vor dem, was die Leute sagen könnten, will seine Position im Ministerium für Außenhandel nicht gefährden. Der Unfalltod ihres kleinen Sohnes wird für Paula schließlich zum Anlass, sich von Paul zu trennen.
Als Paul erkennt, dass auch Paula für ihn zur großen Liebe geworden ist, beginnt er um sie zu kämpfen. Tagelang sitzt er vor Paulas Tür, um sie schließlich mit einer Axt einzuschlagen und seine Paula zurückzuerobern.
Aber ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. "Die Legende von Paul und Paula" war der erste wirkliche Kultfilm der DEFA - und zwar zu einer Zeit, als es einen solchen nach damaligem offiziellen Kunstverständnis und Sprachgebrauch gar nicht geben durfte.
Regisseur Heiner Carow und Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf schufen eine faszinierende Liebesgeschichte voller Heiterkeit, Poesie und Tragik. Das Publikum war begeistert von den ungewöhnlich spontanen Liebesszenen und von der Kritik an gesellschaftlichen Konventionen.
Der große Erfolg des Films ist zweifellos auch der hinreißenden Darstellung des ungewöhnlichen Liebespaares durch Angelica Domröse und Winfried Glatzeder zu verdanken. Die gebürtige Berlinerin Angelica Domröse (*04.04.1941) wurde von Regisseur Slatan Dudow 1958 bei einem Casting für seinen DEFA-Spielfilm "Verwirrung der Liebe“ (1959) entdeckt.
Noch während ihres Schauspielstudiums an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg übernahm sie die Rolle der Irene in der TV-Komödie „Papas neue Freundin“ (1960).
Ab 1961 folgte für fünf Jahre ein Engagement am Berliner Ensemble.
Von 1967-79 gehörte Angelica Domröse zum Ensemble der Berliner Volksbühne und entwickelt sich zu einer der profiliertesten Charakterschauspielerinnen der DDR.
Sie arbeitete mit den prägenden Regisseuren des DDR-Theaters wie Benno Besson, Manfred Wekwerth, Manfred Karge und Matthias Langhoff. Ihre enorme Popularität erlangte sie vor allem durch die Arbeit vor der Kamera.
Ein Höhepunkt ihrer filmischen Karriere war die Rolle der jungen alleinerziehenden Mutter in „Die Legende von Paul und Paula“ (1973).
Die Liebesgeschichte von Regisseur Heiner Carow und Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf avancierte zum Kultfilm und wurde einer der größten Kinoerfolge der DEFA.
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schauspieler Hilmar Thate (1931-2016), verließ Angelica Domröse im Zuge der Biermann-Affäre 1980 die DDR. In der Bundesrepublik kann sie an ihre Erfolge anknüpfen; spielt wieder verstärkt Theater u.a.
am Berliner Schiller-Theater und am Thalia in Hamburg, arbeitet mit wichtigen Regisseuren wie George Tabori und Peter Zadek. Auch in Film- und Fernsehproduktionen ist sie weiterhin zu sehen. 2008 erhielt Angelica Domröse den Preis der DEFA-Stiftung für ihre Verdienste um den deutschen Film.