Sehen statt Hören-Moderatorin Iris Meinhardt hat auch so ein Lieblingsding, das auf den ersten Blick unspektakulär aussieht: Eine Maschine, die so in einem Museum stehen könnte, sichtlich alt - nicht für jeden sofort erkennbar, wofür sie wohl gut war.
Denn gerade jüngere werden vermutlich noch nie einen Filmprojektor gesehen haben. Nun ist es Iris' Ziel, eine gehörlose Person zu finden, die auch so eine Sache aus der Kindheit aufbewahrt hat - nicht, weil nur die Sache interessant wäre.
Wir wollen vor allem die Geschichte erfahren, die dahintersteckt! Nach dem Gottesdienst für Gehörlose im Münchner Stadtteil Haidhausen, hofft Iris, jemanden zu treffen, den sie einfach mit nach Hause begleiten darf. Wie viele Leute sie wohl anspricht, ehe sie jemanden finden wird, der einerseits noch alte Dinge aus seiner Vergangenheit aufbewahrt - und andererseits so spontan und offen ist? Peter Funke hat alte Sachen, sagt er - na klar!
Aber jetzt sofort bei ihm filmen? ...
er zögert kurz: "Habt ihr ein Auto"?, möchte er wissen. "Ja" - und los geht's! Er führt Iris in sein Arbeitszimmer, denn hier steht seine "Sache aus der Kindheit" in einem Schrank.
Ehe er sie uns zeigt, erzählen der Raum und die Bilder darin eine weit jüngere Geschichte seines Lebens: Sein eigener Sohn starb mit 26 Jahren an einem Hirntumor.
Eigentlich war das bis zu seinem Tod sein Zimmer. Und auch Peter Funkes Frau ist nun schon seit zwei Jahren tot. Hier hängen auch Erinnerungen an unzählige Reisen mit ihr - das war lange Jahre eine gemeinsame Ablenkung von der tiefen Trauer.
Und es waren Erlebnisse, die neuen Lebensmut brachten. Peter Funke holt schließlich seine Sache aus der Kindheit hervor: ein kleines weißes Aufziehauto.
Das hat er 1939 – da war er sechs Jahre alt – von seinem Vater geschenkt bekommen. Zu dieser Zeit begann der Zweite Weltkrieg - diese Erinnerungen werden zuerst wach.
Peter Funke erzählt so, dass wir uns den Bombenangriff auf das Haus seiner Familie in Leipzig bildlich vorstellen können.
Wie er in den Keller rannte, den Angriff dort unbeschadet überlebte und den Wasserrohrbruch, der unmittelbar folgte, und ihn Stunden im brusthohen Wasser hat stehen lassen, ebenfalls. Noch ein zweites Mal ist er nur knapp dem Tod entkommen: Damals auf der Flucht vor den Russen hat eine Kugel die Frau am Kopf getroffen, die ihm helfen wollte. "Ich erinnere mich sehr genau.
Sowas kann man nicht vergessen.
Ich hatte wirklich einen Schutzengel, der mich zweimal vor dem Tod gerettet hat." - Peter Funke Mit dem kleinen Auto verbindet Peter Funke bis heute die Liebe zu seinen Eltern – und eine Leidenschaft, die mit dieser Sache aus seiner Kindheit begann: "Ich habe im Laufe der Zeit bestimmt 20 verschiedene Autos gehabt und viele Modelle ausprobiert. Ich habe auch 15 Jahre bei BMW als Modellbau-Techniker gearbeitet – ich bin Auto-verrückt." Willkommen bei "Sehen statt Hören" - der einzigen Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört!
Nicht im "Off", sondern im "On" werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln. Zielpublikum sind vor allem die etwa 300.000 gehörlosen, spätertaubten oder hochgradig schwerhörigen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Bundesrepublik, die ein solches Programm benötigen, das ihren Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen optimale Verständlichkeit ermöglicht, aber auch alle anderen, die sich von den Themen und der ungewöhnlichen Machart angesprochen fühlen. In wöchentlich 30 Minuten bringt das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Arbeitswelt, Familie, Freizeit, Sport über Kunst, Kultur, Bildung, Geschichte bis hin zu politischen, sozialen, rechtlichen und behindertenspezifischen Themen.