Sie klauen und zerstören nichts.
Sie wollen Angst schüren bei den Reichen, ihnen zeigen, dass sie in ihrem Hochsicherheitstrakt aus Überwachungskameras und Alarmsystemen verletzlich sind.
Dafür fahren sie nachts mit ihrem klapprigen VW-Bus durchs Villenviertel und brechen in Häuser ein, deren Bewohner im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind.
Sie bauen Möbel zu kunstvollen Skulpturen um und hinterlassen Briefe mit der Warnung "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zu viel Geld" - unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten".
Als Peters Freundin Jule von den Aktionen der beiden erfährt, ist sie begeistert. Weil sich Jan schon längst in Jule verliebt hat, lässt er sich dazu überreden, mit ihr in die Villa des Topmanagers Hardenberg zu steigen.
Doch dieses Mal geht alles schief: Jule vergisst ihr Handy, und als die beiden am nächsten Tag zum Tatort zurückkehren, werden sie von Hardenberg persönlich ertappt.
Dafür haben die selbst ernannten Erziehungsberechtigten nun gar keinen Plan - und unversehens werden sie zu Entführern. Mit entwaffnender Ehrlichkeit trifft der Film den Nerv junger Leute und ihren Wunsch nach einem freien, wilden Leben nach dem Motto: Rebellion ist sexy!
Der krassen Realität zwischen Geldmangel, politischem Aufbegehren, Verzweiflung und Verbrechen wird auf sehr emotionale Weise die erste Grenzüberschreitung in Sachen Liebe gegenübergestellt.
Der Film erzählt, was aus dem naiven, aber nachvollziehbaren Drang nach politischem Aufbegehren plus der verzwickten Verkettung von Umständen entstehen kann.
Gerade diese Erzählhaltung, die auch politisch Unausgegorenes, nicht zu Ende-Gedachtes mitdenkt, ist die Stärke des Films, der furios inszeniert und erfrischend und glänzend gespielt ist. "Die fetten Jahre sind vorbei" war 2004 der erste deutsche Film, der nach elf Jahren bei den Filmfestspielen in Cannes minutenlang mit standing ovations gefeiert wurde. * Förderpreis Deutscher Film 2004: Bester Film, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller: Stipe Erceg * Bayerischer Filmpreis für Julia Jentsch als beste Nachwuchsschauspielerin 2004 * Deutscher Filmpreis in Silber 2005 Einsfestival zeigt Euch besondere Debüts aus den letzten 20 Jahren!
Die häufig brisanten Themen spiegeln nicht nur den Zeitgeist wider, sondern zeigen auch die schauspielerischen Anfänge der jungen Darsteller. Ihre Gesichter und Namen sind heute aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken.
Diese jungen Talente stehen - wie am Anfang ihrer Karriere - immer noch für die Qualität der Filme, in denen sie mitspielen. Deshalb sagen wir: Hut ab vor diesen 'patenten Talenten'.