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4 Stunden

Man in Black

at 00:35 on Arte

Frankreich/Hongkong/Großbritannien 2023

Im Pariser Théâtre des Bouffes du Nord bringt der 86-jährige chinesische Komponist Wang Xilin Ausschnitte aus seinen berühmtesten Symphonien zur Aufführung.

Regisseur Wang Bing filmt Xilins nackten Körper, der vom Alter, aber auch von jahrelanger Folter während der Kulturrevolution gezeichnet ist. Zwischen zwei Auftritten erzählt der seit 2005 im deutschen Exil lebende Dissident, was ihn zu den jeweiligen Stücken bewogen hat. Regisseur Wang Bing begegnete dem Komponisten Wang Xilin erstmals im Jahr 2005 bei einer aufsehenerregenden Aufführung seiner vierten Symphonie in der Philharmonie von Peking.

Die beiden blieben in Kontakt und 2018, als Wang Bing den Komponisten in Deutschland besuchte, entstand die Idee zu diesem Dokumentarfilm.

Der Regisseur bat Wang Xilin, seine Komposition „Man in Black“ zu interpretieren, die auf der Kurzgeschichte „Das Schmieden der Schwerter“ des chinesischen Schriftstellers Lu Xun (1881-1936) basiert. Lu Xun ist einer der gelehrtesten und produktivsten Intellektuellen Chinas, er steht für Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit.

Schonungslos brandmarkt der Komponist das Regime und die Epoche, in der er lebt. Er hat fast ein Jahrhundert chinesischer Geschichte selbst miterlebt.

Wie kaum einem anderen gelingt es Wang Xilin, Leid und Widerstand zu einem großartigen Œuvre zu verarbeiten. Wang Bing entschied sich für das Pariser Théâtre des Bouffes du Nord als Aufführungsort aus ästhetischen wie praktischen Erwägungen: der historische Bau mit seiner Kuppel und den hohen Rängen verfügt über eine ebenerdige Bühne, die es Wang Xilin und dem Kamerateam ermöglichte, sich völlig frei zu bewegen. In seinem Dokumentarfilm setzt Wang Bing den von Folter und Misshandlungen gezeichneten nackten Körper dieses Mannes in Szene, der dennoch oder gerade deshalb dazu fähig ist, in seinen Kompositionen tiefes Mitgefühl auszudrücken.

Ausgewählte Auszüge aus Wang Xilins Symphonien erinnern an einige der tragischsten Momente in der chinesischen Geschichte.

Wang Xilins gepeinigter Körper zeugt von den Schrecken jener Zeit, als das chinesische Volk völlig entmenschlicht wurde. Wang Bing hat sich mit seinem Werk als eine herausragende Figur des zeitgenössischen chinesischen Kinos etabliert.

In seinen Filmen entwickelt er ein ganz besonderes Verhältnis zur Zeit.

Er verleiht seinen Filmen eine schöne und zugleich tragische filmische Intensität, in der er versucht, die Zeitlichkeit des Lebens seiner Figuren in eine Allegorie zu verwandeln.

Er stellt eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte in den Vordergrund. „Man in Black“ hatte seine Premiere 2023 beim Filmfestival in Cannes im Rahmen einer Sondervorführung.

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