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Juliane und Marianne, zwei Schwestern aus einer deutschen Pfarrersfamilie, engagieren sich auf sehr unterschiedliche Weise in der Protestbewegung von 1968.
Juliane setzt sich als Redakteurin einer progressiven Frauenzeitung für schrittweise gesellschaftliche Veränderungen ein, Marianne geht in den Untergrund und setzt auf Gewalt.
Als Marianne verhaftet wird, festigt sich durch Julianes Besuche im Gefängnis das emotionale Band zwischen den beiden wieder.
Marianne stirbt in der Haft, ihre Schwester versucht, die Umstände ihres Todes zu ergründen. Juliane (Jutta Lampe) und ihre jüngere Schwester Marianne (Barbara Sukowa) sind als Töchter eines Pfarrerehepaars in den 50er Jahren aufgewachsen.
Die artige Marianne war der Liebling des Vaters (Franz Rudnick), mit der oft aufbegehrenden Juliane tat er sich schwer. Jahre danach ist aus der braven und angepassten Marianne eine kämpferische Revolutionärin geworden; sie will die Gesellschaft gewaltsam verändern und steht als Terroristin auf der Fahndungsliste.
Anders Juliane, sie lehnt Gewalt ab und versucht als Mitarbeiterin einer feministischen Zeitschrift, auf notwendige gesellschaftliche Reformen hinzuwirken.
Nach Mariannes Verhaftung besucht Juliane ihre Schwester häufig im Gefängnis, die beiden kommen sich wieder näher. Umso härter trifft Juliane die Nachricht von Mariannes Tod in der Haftanstalt, die sie erreicht, als sie mit ihrem Lebensgefährten Wolfgang (Rüdiger Vogler) Urlaub in Italien macht.
Sie glaubt nicht an die offizielle Erklärung, Marianne habe Selbstmord begangen; obwohl sie sich damit mehr und mehr isoliert, versucht sie im Alleingang, die Umstände von Mariannes Tod zu klären. Jutta Lampe und Barbara Sukowa spielen die Hauptrollen in Margarethe von Trottas vielfach preisgekröntem Film über eine schwierige Schwesternbeziehung in den Jahren des Terrorismus, dessen Hochphase in Deutschland im Jahr 1977 in der Schleyer-Entführung, dem Drama um die Lufthansamaschine "Landshut" und dem Tod der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe gipfelte. Margarethe von Trotta ließ sich zu diesem Film von Christiane Ensslin anregen, die sie nach dem Tod ihrer Schwester Gudrun Ensslin in Stammheim kennengelernt hatte.
In „Die bleierne Zeit“ - das Zitat aus einem Hölderlin-Gedicht spielt auf die 50er Jahre an - vermitteln Rückblenden fragmentarisch Einblicke in Kindheit und Jugend der beiden Schwestern, deren belastete Beziehung, gesehen aus der subjektiven Perspektive der älteren Juliane, das zentrale Thema bildet. Der Film erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Goldenen Löwen in Venedig für Margarethe von Trotta; die beiden Hauptdarstellerinnen Jutta Lampe und Barbara Sukowa wurden gleichfalls in Venedig ausgezeichnet.