at 02:45 on Tagesschau 24
Man mag staunend vor den Pyramiden Ägyptens stehen und sich fragen, wie die tonnenschweren Steinblöcke transportiert werden konnten.
Doch einen ganzen Berggipfel in ein Grabmal zu verwandeln, grenzt an Tollkühnheit und ist einmalig in der Weltgeschichte: An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmetern Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos.
Seit 1987 führt die UNESCO die Kultstätte auf dem Berg Nemrut als Weltkulturerbe. Der gigantische, 50 mal 150 Meter messende Tumulus auf der Bergspitze des Nemrut gibt Archäologen trotz Einsatz geophysikalischer Grabungstechniken bis heute nicht zu lösende Rätsel auf.
Dem Architekten ist mit dem Grabmal ein Geniestreich gelungen: ein verwirrendes Verschlusssystem, das Grabräubern, Religionsgelehrten und Altertumsforschern über 2.000 Jahre erfolgreich widerstand.
Der deutsche Historiker Friedrich Karl Dörner, der nahezu sämtliche Inschriften auf dem Nemrut entzifferte, versuchte 1956 erstmals einen Stollen zum geheimen Grab des Antiochos zu finden.
Das Gelände um den Berg sei eine Goldquelle, vertraute Dörner seinen Mitarbeitern an, "doch sein Innerstes hält er verborgen wie einen Schatz." Auch Theresa Goell, die amerikanische Nemrut-Pionierin, konnte sich dem Bann des kommagenischen Königs nicht entziehen. "Ein Fluch", notiert sie verbittert noch kurz vor ihrem Tod und schreibt: "Wenn ich schon nicht zu Antiochos vordringen kann, dann möchte ich neben ihm begraben werden." Sie starb hochbetagt im Winter 1985 und ließ ihre Asche auf dem Gipfel des Nemrut in alle Winde zerstreuen. Welche "unsterblichen Botschaften" und Kultgegenstände hat der Regent mit in seine Gruft auf der Bergspitze genommen?
Die Dokumentation aus der Reihe "Schätze der Welt - Erbe der Menschheit" erkundet die Geheimnisse des Berges Nemrut.