00:10: Chile: Träume, Terror, Neuanfang | Arte | 5/6 2026 Arte
00:10 - 01:40
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Chile: Träume, Terror, Neuanfang

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Frankreich 2023

Am 4. September 1970 schöpft Chile große Hoffnung. Salvador Allende wird zum Präsidenten gewählt. Das Land ist von sozialer Ungleichheit geprägt, es herrscht Stillstand.

Allendes Plan ist es, eine legale Revolution ohne Waffengewalt durchzuführen. Rasch leitet er eine Reihe von sozialen Maßnahmen ein. Doch das sozialistische Experiment nimmt am 11.

September 1973 durch einen blutigen Staatsstreich ein jähes Ende und weicht einer Militärdiktatur, die so lange Bestand haben wird wie kaum eine andere auf lateinamerikanischem Boden. Unter der Führung von General Pinochet wird Chile zu einer Spielwiese des Neoliberalismus, der scheinbar ein Wirtschaftswunder bewirkt.

Das Land wird zwar zu einem der reichsten der Region, die sozialen Ungleichheiten verschärfen sich jedoch weiter.

Die Gesellschaft verfällt in Passivität, die Hoffnung auf ein gerechtes Miteinander aller Schichten gerät in Vergessenheit. 2019 bringt eine neue soziale Bewegung die herrschende Ordnung ins Wanken.

Der Traum Salvador Allendes lebt. Die Regierung lenkt ein und stimmt der Erarbeitung einer neuen Verfassung zu, die mit der Vergangenheit aufräumen soll.

Doch vor die Wahl gestellt zwischen der immer noch gültigen Verfassung der Pinochet-Jahre, die den freien Markt ungehindert gewähren lässt, und dem neuen Verfassungstext, der sich auf die Erfahrungen der Regierung Allende stützt und auf eine Politik der Umverteilung abzielt, lehnen die Wählerinnen und Wähler eine Umgestaltung der Wirtschaft ab. Die innere Spaltung, die hierbei zum Ausdruck kommt, spiegelt das chilenische Selbstverständnis wider.

Sie bestimmt das politische Kräfteverhältnis, hebt gesellschaftliche Gräben aus und stellt die Grundlagen der jungen Demokratie infrage. Inzwischen ist unter der Führung der extremen Rechten ein neuer verfassunggebender Prozess im Gange.

Die Zukunft der Nation, die oft den Triumph der Macht über die Vernunft erlebt hat, muss indes noch geschrieben werden. Es ist der 11.

September 1973, 11.00 Uhr vormittags – es sind die letzten Worte des chilenischen Präsidenten Salvador Allende, der sich in einer Radioansprache an die Bürger Chiles wendet: "Mir bleibt nichts anderes, als den Arbeitern zu sagen: Ich werde nicht aufgeben!

In diesem historischen Moment werde ich die Treue zum Volk mit meinem Leben bezahlen." Der Militärputsch in Chile war eines der zentralen Ereignisse im Kalten Krieg der Supermächte USA und der UdSSR.

Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Allende nahm sich das Leben, nachdem die Luftwaffe begonnen hatte, den Präsidentenpalast zu bombardieren. Eine Junta unter der Führung von Augusto Pinochet regierte Chile daraufhin bis 1990 als Militärdiktatur, der Tausende Menschen zum Opfer fielen.

Der gewaltsame Umsturz wurde von den USA politisch und finanziell unterstützt, vor allem durch verdeckte Operationen der CIA.

In der Dokumentation "Chile: Träume, Terror, Neuanfang" schildern Zeitzeugen, wie sie die dramatischen Ereignisse des Putsches und auch die Jahre danach erlebt haben, darunter Michelle Bachelet.

Sie war später gleich zweimal, von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018, Präsidentin des reichsten Landes Südamerikas. Kurz nach dem Ende ihrer Amtszeit wird Chile erneut durch Massenproteste und Unruhen erschüttert.

Der Film "Das Volk gegen die Chicago Boys" wirft einen ausführlichen Blick auf die wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Revolte, die schließlich in einen Verfassungskonvent mündet.

Ein Hochkaräter des Dokumentarfilms rundet den Abend ab: "Der Aufstand der Bourgeoisie", erster Teil der insgesamt viereinhalbstündigen Trilogie "Der Kampf um Chile" von Meisterregisseur Patricio Guzmán.

Sie gilt als einzigartiges Zeitzeugnis und dokumentiert die Regierungszeit Allendes, den Traum der Menschen von einer gerechteren Gesellschaft für zukünftige Generationen und dessen blutiges Ende durch den Militärputsch vor 50 Jahren. Mit Hilfe des kubanischen Filminstituts ICAIC wurde der Film fertiggestellt und geschnitten, jetzt neu bearbeitet und restauriert.

Die komplette Trilogie mitsamt den Folgen "Der Staatsstreich" sowie "Die Macht des Volkes" ist in der ARTE-Mediathek unter arte.tv zu erleben.

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